Zum Inhalt springen

Umwelt / Rechner

Wärmepumpe oder Gasheizung?

Der Vergleich hängt an einer einzigen Zahl: der Jahresarbeitszahl, also wie viel Wärme eine Wärmepumpe je Kilowattstunde Strom liefert. Hier stehen dafür keine Herstellerangaben, sondern Messwerte aus einer vierjährigen Feldstudie an 77 Anlagen in bewohnten Häusern.

Laufende Kosten im Jahr

Die Wärmepumpe ist günstiger um427 € im Jahr
Gasheizung2.386 €

20.000 kWh Gas bei 90 % Nutzungsgrad

Wärmepumpe1.959 €

5.294 kWh Strom bei JAZ 3,4

Kipppunkt45,1 ct Strompreis

Ab diesem Strompreis wäre die Gasheizung günstiger, bei allem anderen gleich. Das ist die Zahl, an der die Entscheidung tatsächlich hängt.

Emissionen im Jahr

Die Wärmepumpe spart2.199 kg CO2

55 Prozent weniger als die Gasheizung

Gasheizung4.020 kg CO2
Wärmepumpe1.821 kg CO2

Gerechnet mit dem deutschen Strommix. Mit eigenem Solarstrom liegt der Wert deutlich darunter.

Die Rechnung

  1. Gasbedarf = 18.000 kWh Wärme ÷ 90% = 20.000 kWh Gas
  2. Strombedarf = 18.000 kWh Wärme ÷ JAZ 3,4 = 5.294 kWh Strom
  3. Gaskosten = 20.000 × 11,93 ct = 2.386 €
  4. WP-Kosten = 5.294 × 37,0 ct = 1.959 €
  5. Differenz = 2.386 € - 1.959 € = 427 €
  6. Gas-CO2 = 20.000 × 201 g = 4.020 kg
  7. WP-CO2 = 5.294 × 344 g = 1.821 kg

Der Befund, der die verbreitete Annahme kippt

Zwischen Baujahr des Gebäudes und Effizienz der Anlage ließ sich keine Korrelation feststellen. Wärmepumpen arbeiteten auch ohne umfassende Sanierung zuverlässig.

Das widerspricht der gängigen Beratungsregel, eine Wärmepumpe lohne sich erst nach einer Sanierung. Es heißt nicht, dass Dämmung nichts bringt: sie senkt den Wärmebedarf, und damit die Zahl ganz oben in diesem Rechner. Es heißt, dass das Baujahr allein keine Auskunft darüber gibt, wie effizient die Anlage danach läuft.

Gegenüber einer Erdgasheizung sanken die CO2-Emissionen in der Studie im Mittel um 64 Prozent, dynamisch gerechnet. Der Rechner oben kommt bei den Voreinstellungen auf einen etwas niedrigeren Wert, und das ist kein Widerspruch: das Fraunhofer ISE rechnet dynamisch, also mit dem Strommix zu den Zeiten, in denen eine Wärmepumpe tatsächlich läuft. Dieser Rechner nimmt den Jahresdurchschnitt des Strommix. Das ist die vorsichtigere Annahme, und wo zwei Verfahren zur Wahl stehen, steht hier das vorsichtigere.

Woher die Zahlen kommen

GrößeWertQuelle
Jahresarbeitszahl Luft/Wasser3,4Fraunhofer ISE, Projekt Wärmepumpen-Qualitätssicherung im Bestand, 77 Anlagen über vier Jahre. Die Einzelwerte lagen zwischen 2,6 und 5,4.
Jahresarbeitszahl Sole/Wasser4,3
Gaspreis11,93 ct/kWhBDEW-Gaspreisanalyse August 2026, Einfamilienhaus. Im Mehrfamilienhaus liegt der Wert bei 11,17 ct/kWh.
Strompreis37,0 ct/kWhBDEW-Strompreisanalyse Herbst 2026, Haushalte im Jahresdurchschnitt
CO2 Erdgas201 g/kWhUmweltbundesamt, amtlicher Emissionsfaktor für Erdgas nach BEHG, heizwertbezogen. Brennwertbezogen entspricht das rund 181 g je Kilowattstunde.
CO2 Strommix344 g/kWhUmweltbundesamt, spezifische Emissionen des deutschen Strommix, Stand 2025

Was dieser Vergleich nicht enthält

  • Die Anschaffung. Hier stehen nur die laufenden Kosten. Eine Wärmepumpe kostet in der Anschaffung deutlich mehr als ein Gaskessel, und es gibt Förderung. Beide Größen schwanken zu stark für einen belastbaren Durchschnitt, und ein geschätzter Investitionsbetrag würde das Ergebnis dominieren, ohne belegt zu sein.
  • Den CO2-Preis auf Gas. Er steigt und ist im Gaspreis oben bereits enthalten, aber wie stark er weiter steigt, steht nicht fest. Der Rechner schreibt ihn nicht fort.
  • Ihren Heizkörper. Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Vorlauftemperatur ist. Ob Ihre vorhandenen Heizflächen dafür groß genug sind, entscheidet über die tatsächliche Jahresarbeitszahl und lässt sich nur vor Ort beurteilen.
  • Eigenen Solarstrom. Wer die Wärmepumpe teilweise aus der eigenen Anlage speist, rechnet mit einem deutlich niedrigeren Strompreis und deutlich weniger CO2. Was Ihr Dach hergibt, steht im Photovoltaik-Rechner.

Weitere Rechner

  • PV-Ertragsrechner: Wie viel Strom eine Anlage an Ihrem Standort erzeugt, aus gemessenen Einstrahlungsdaten.
  • Photovoltaik-Wirtschaftlichkeit: Kosten, Einspeisevergütung, Ersparnis und Amortisationszeit, mit offengelegter Rechnung.
  • Speichergröße: Welche Speichergröße zu Verbrauch und Anlage passt, und ab wann ein größerer nichts mehr bringt.
  • Balkonkraftwerk: Ertrag und Ersparnis einer steckerfertigen Anlage, für den Standort gerechnet.
  • Stromkosten: Jahreskosten aus Verbrauch und Preis, mit der Aufschlüsselung, wohin das Geld tatsächlich geht.
  • CO2 aus Strom: Die Emissionen Ihres Stromverbrauchs, mit dem amtlichen Faktor des Umweltbundesamtes.